Die Meldungen zu Abkommen von Microsoft mit der
Linux-Distributoren-Branche häufen sich: Nach den Deals mit Novell und
Xandros hat Microsoft nun den nächsten Partner mit ins Boot geholt. Bei
diesem handelt es sich um das amerikanische Unternehmen Linspire, was doch
einige Überraschung hervor ruft. So befand man sich von 2001 bis 2004 in
einem Verfahren gegeneinander.
Der Grund des Streites war der frühere Name von Linspire, "Lindows".
Microsoft sah durch diesen Namen seine Markenrechte verletzt, im
Jahr 2004 endete der Streit mit einer außergerichtlichen Einigung, nach
der sich "Lindows" in Linspire umbenannte. In gleicher Weise wurde auch
mit dem gleichnamigen Betriebssystem verfahren.
Da Linspire, wie der frühere Name "Lindows" schon nahelegt, absichtlich
stark an Windows erinnern soll, sind Distribution und Unternehmen alles
andere als unumstritten. Auch die starke Nutzung proprietärer Software
führt zu vehementer Kritik.
Linspire äußerte zu dem Vertrag mit Microsoft, diese würden dabei
helfen, "ein besseres Liux zu schaffen". Mehr als in den anderen beiden
Abkommen wird auf eine technische Zusammenarbeit eingegangen. So
lizensiert man bei Linspire nunmehr Microsofts RT-Audio-Codec, was dem
Zusammenwirken von diversen Instant-Messaging-Programmen mit dem Windows
Live Messenger zugute kommen wird. Die Windows-Media-10-Codecs werden
ebenfalls übernommen, genau wie diverse True Type Fonts, zu denen unter
Anderem Times New Roman, Arial und Verdena gehören.
Ohne Patentvereinbarungen kommt natürlich auch das
Microsoft-Linspire-Abkommen nicht aus. Diese unterscheiden sich jedoch von
den bisherigen Verträgen, da bei Linspire künftig jeder einzelne Benutzer
eine Lizenzvereinbarung mit Microsoft abschließen muss, so er denn die
genannten Microsoft-Techniken nutzen will. Daher sei es dem Kunden
überlassen, ob er Microsoft-Technologie nutzen möchte. Die einzige
Änderung, die alle Nutzer betreffen wird, ist, dass die Microsoft
Live-Suche als Standard-Suchmaschine im mitgelieferten Browser definiert
sein wird.
Inwiefern dieses Vorgehen beim Lizensierungsverfahren mit der speziellen Klausel in der kommenden GPLv3 in Einklang steht, ist noch völlig unklar. Experten verweisen darauf, dass man noch zu wenig Informationen über das Abkommen habe und dass die Klausel, die derartige Geschäfte verbieten wird, noch nicht in der finalen Fassung vorliege. Bei Linspire ist man jedenfalls der Meinung, nicht in Konflikt mit der neuen GPL zu kommen.