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Verband der Psychotherapeuten: Killerspiele als Landminen für die Seele

29.11.2007

Die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GWG), laut eigenen Angaben der mitgliederstärkste Verband von Psychotherapeuten, hat in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung die etwas zum Erliegen gekommene Diskussion um "Killerspiele" wieder entfacht. Offizieller Anlass für das Statement ist die Aufforderung an Eltern, ihren Kindern zu Weihnachten keine "Killerspiele" zu schenken. Über eine reine Kaufempfehlung geht das Pamphlet aber hinaus, fordert der Verband doch "gewaltverherrlichende Spiele gesetzlich zu verbieten, damit der Grundkonsens einer humanen Gesellschaft erhalten bleibt".

Der Begriff des "Killerspiels" wird von den Psychotherapeuten unreflektiert aus dem bayrischen Gesetzesentwurf zum gleichen Thema übernommen, der diese als "Spielprogramme die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen darstellen und dem Spieler die Beteiligung an dargestellten Gewalttätigkeiten solcher Art ermöglichen" definiert. Die Eltern werden darauf hingewiesen, dass in derartigen Programmen Verhaltensweisen, die vom Bedrohen bis hin zum "Abtrennen von Gliedmaßen" reichen, propagiert würden, freilich ohne konkrete, für unter 18-Jährige freigegebene Spiele zu nennen, bei denen Letzteres möglich ist.

In jedem Fall würde feststehen, dass "Killerspiele" wie "Landminen für die Seele" wirken, so die GWG leicht populistisch. Weiterhin heißt es: "Die Medienverwahrlosung junger Menschen hat in den vergangenen Jahren ein derart erschreckendes Ausmaß erreicht, dass die politisch Verantwortlichen umgehend handeln müssen, bevor eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen vom Strudel der Gewalt mitgezogen wird". Wer sich bei diesem Ausspruch an das Zitat "Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen" (Aristoteles, 384-322 v. Chr.) erinnert fühlt, mag damit, zumindest in Bezug auf die unterschwellige Untergangsstimmung, nicht ganz falsch liegen.

Mit neuen Erkenntnissen oder Forschungsergebnissen kann die "Studie" nicht dienen, die genannten Ergebnisse ziehe man aus "Erfahrungen vieler Fachkräfte der GwG aus psychotherapeutischen Beratungsstellen und schulpsychologischen Diensten". Allerdings glaubt man zu wissen, woher gewalttätige Computerspiele an sich kommen: "Solche Spiele wurden ursprünglich für das US-amerikanische Militär als Kriegssimulationen entwickelt. Sie haben den Zweck, bei Soldaten die Tötungshemmung abzubauen und ihre 'Killer-Effizienz' zu erhöhen".

Autor: sh


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