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Eve Online: Rollenspiel mit demokratischem Gestus

09.06.2007
Eve Online-Logo

Je selbstverständlicher das Internet als Teil der Gesellschaft verstanden wird, desto schwerer wird der zweite Teil des Termes "virtuelle Realität" gewichtet, desto mehr verschwimmen die Sphären - und desto seltsamere Blüten treibt das Phänomen namens "World Wide Web". Einem der vermutlich zahllosen Höhepunkte dieses mitunter absonderlichen Treibens kann augenblicklich im Hause CCP sowie im Online-Rollenspiel der isländischen Spieleschmiede, "Eve Online", beigewohnt werden: Das mittlerweile mit White Wolf fusionierte Team hat seine Spielergemeinde dazu aufgerufen, sich an den demokratischen Wahlen zu beteiligen, mittels derer ein neunköpfiger Spielerrat bestimmt werden soll. Diesem obliegt das Recht und die Pflicht, sich in regelmäßigen Abständen nach Island fliegen zu lassen, um dort die Neutralität der Entwickler gegenüber des von ihnen entworfenen Kosmos' zu überprüfen. Damit zieht CCP die Konsequenz aus wiederholten Vorwürfen, gewisse Spielerfraktionen zugunsten rivalisierender Gruppierungen zu übervorteilen.

Ein solches Verhalten innerhalb von "Eve Online" hat dahingehend besonders gravierende Konsequenzen, dass das Spiel nicht - wie etwa "World of Warcraft" - auf mehreren Servern verteilt gespielt wird, sondern dass sich sämtliche Nutzer wirklich auf einer Ebene treffen und auf deren Schicksal gemeinsam einwirken. Diese Möglichkeit, ganz konkret und unmittelbar die Geschichte eines Universums zu formen, hat auch außerhalb des Spieles für viel Wirbel gesorgt und gewährleistet bis zum heutigen Tage eine mitunter befremdliche Aktivität jenseits des In-Play-Modus': So besitzen nicht nur zahlreiche Interessensbünde eigene Homepages und veröffentlichen reguläre Pressemitteilungen, auch richten Fraktionen offene Briefe an CCP, ohne dass die übrigen Spieler - von Außenstehenden ganz zu schweigen - in der Lage wären festzustellen, inwieweit die geäußerten Anschuldigungen wahr oder bloße Agitation sind und lediglich dem eigenen Vorteil dienen.

Dass Entwickler das Spiel, an dem sie arbeiten, auch spielen, ist weder ungewöhnlich noch verwerflich, doch gehört es wenigstens zum guten Ton - wenn nicht gar zur Firmenpolitik -, dass sie keinen wie auch immer gearteten Nutzen aus ihrer Position ziehen, sondern sich mit den gleichen Voraussetzungen wie die übrigen Teilnehmer im Spiel bewegen. Ebendies ist bei "Eve Online" aber während der letzten Monate immer öfter von einer stetig wachsenden Anzahl der insgesamt doch 200.000 Community-Mitglieder angezweifelt worden, zumal es auch nicht der erste Zwischenfall dieser Art wäre, mit dem sich, wenn er sich denn bewahrheitete, CCP auseinanderzusetzen hätte. Bereits im Februar dieses Jahres gestand ein Mitglied des Entwicklerteams, unlauter in das Spielgeschehen eingegriffen zu haben. Ob die Isländer mit der nun gezogenen Notbremse das Vertrauen der Nutzer wieder herstellen können, bleibt abzuwarten.

Und bei all dem Rummel vergisst man fast, dass es sich bei "Eve Online" um ein Spiel handelt, also um etwas, das zur Erbauung und Entspannung in der Freizeit gedacht ist...

Autor: mw


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