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Bayern umwirbt die Spielebrache

13.07.2007
Bayrische Flagge

Das Bundesland Bayern bzw. dessen CSU-Regierung hat entdeckt, dass Computerspiele nicht nur ein gutes Mittel darstellen, um in sämtlichen Medien mit mehr oder minder sinnvollen und fundierten Meinungsäußerungen Aufmerksamkeit zu erregen, sondern auch eine erstzunehmende Industrie sind. Erwin Huber, der Wirtschaftsminister Bayerns, brachte dies auf den Punkt: "Die digitale Spieleindustrie gehört zu den dynamischsten Teilmärkten der Medienbranche mit Wachstumsraten zwischen fünf und zehn Prozent pro Jahr". Da Industrie und Wachstum für ein Bundesland natürlich gleichbedeutend mit Steuereinnahmen sind, will Bayern auf den Zug aufspringen und die Spieleindustrie verstärkt in das Bundesland locken.

Zu diesem Zweck fand gestern ein runder Tisch zum Thema statt, bei dem sich Spielehersteller, Verbände, Medien und natürlich Vertreter der bayrischen Regierung trafen. Erwin Huber präsentierte danach die Ergebnisse der Konferenz: man müsse die Ausbildung von Fachkräften, die in der Brache benötigt werden, forcieren, da bei diesen ein deutlicher Mangel bestünde. Dazu müsse die Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsstätten und Industrie verbessert werden.
Auch zum Thema "Killerspiele" wurde sich geäußert: so gäbe es eine große Vielfalt "guter Strategie- und Sportspiele sowie Unterhaltungssoftware im Bildungs- und Familienbereich", Gewaltspiele würden nur "einen sehr geringen Teil" der Computerspiele ausmachen. Dass es sich dabei schlicht und ergreifend um eine dreiste Lüge handelt, wie man in Ermangelung von repräsentativen Studien für Deutschland zumindest in einer vor kurzem veröffentlichten Studie aus den USA sehen konnte, sollte jedem informierten Beobachter klar sein. Warum das Thema "Killerspiele", wenn diese doch nur so einen kleinen Anteil ausmachen, sogar im Koalitionsvertrag behandelt wird, blieb unerklärt.

Das Fazit des Gipfels aus Sicht der CSU scheint also zu lauten: selbstverständlich möchte man die Spieleindustrie in Bayern haben, allerdings nur, solange diese gefälligst "die richtigen Spiele" produziert.

Autor: sh


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