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Vom Vorteil der Imperfektion

 
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Knut H.



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BeitragVerfasst am: 28.06.2007, 19:04    Titel: Vom Vorteil der Imperfektion Antworten mit Zitat

Blickt man sich nach den Klassikern der Computerspiele um, gibt es nicht wenige, die es wert wären, genannt zu werden, und ein jeder hat gewiss seine eigene Favoritenliste. In meinem Falle finden sich auf ihr primär Entwicklungs- und Wirtschaftssimulationen wie Civilization und Sim City, Adventures (Monkey Island, Space Quest) sowie die ganz frühen Egoshooter wie Dxxm und Wxxxxxstein.

Was ist das aber für ein Zauber, der von all diesen Spielen ausgeht, worin liegt ihr Charme begründet? Ist es bloße Nostalgie, wie sie jede Generation über kurz oder lang erfährt? Ich behaupte: nein! Diese Spiele besitzen einen Mehrwert, der nur ihnen innewohnt, der sie gegenüber aktuellen Publikationen auszeichnet und ihnen einen gewissen Vorteil verschafft. Es ist ihre Imperfektion, ihre pixelige Graphik genauso wie ihre mitunter doch recht stark eingeschränkten Funktionen, die dem Spieler zur Verfügung stehen.

Betrachtet man zeitgenössische Spiele, kommt man nicht umhin, einen immer größeren Eigenanspruch festzustellen, 'realistisch' zu sein, ein Anspruch, der aber schon ob der unzähligen Variablen des Vorbildes gar nicht erfüllt werden kann - mit dem Resultat, dass je vehementer der Anspruch des 'Realen' formuliert wird, die Notwendigkeit des Scheiterns dieses Vorhabens umso deutlicher wird, die Spiele umso hilfloser und verzweifelter (da einem nicht realisierbaren Ideal hinterherhechelnd) wirken.

Den "Klassikern" hingegen war dieser Perfektionsanspruch (schon aufgrund des damaligen Technikstandes) völlig fremd. Sie 'wussten', dass sie einem solchen Ziel niemals gerecht werden konnten und versuchten es demnach auch erst gar nicht - zu ihrem eigenen Vorteil, wie ich finde. Das Resultat, sich nicht daran gemacht zu haben, das Unsimulierbare mit einer spielerischen Entsprechung zu bedenken, war eine radikale Reduktion der Wahlmöglichkeit und damit gleichzeitig eine Stilisierung der Vorgänge, ein Ineinandergreifen unterschiedlicher, klarer Optionen, die auf verschiedene Weise mit variierenden Resultaten kombiniert werden konnten. Vom System her erinnern sie also eher an Schach, an ein Spiel, das gerade aus seiner Beschränkung Eleganz schöpft und durch jene - die Beschränkung - zu einer zeitlosen intellektuellen Herausforderung geworden ist. Natürlich, ich bin mir allzu bewusst, dass etwa das Ausschalten jedweder Zufallskomponente einen nicht geringen Teil zum Erfolg des Schachspiels beigetragen hat, doch ändert dies nichts daran, dass es gerade die alten, auf das absolut Wesentliche reduzierten Computerspiele sind, die jenem am ähnlichsten sind und dadurch einen Reiz versprühen, der den Veröffentlichungen der letzten Jahre zusehend fremd geworden ist.

Deshalb auch meine These: Die (der [technischen] Imperfektion geschuldeten) Stilisierung ist es, die einem Spiel seinen wahren und dauerhaften Charme verleiht - will es 'realistisch' sein, hat es bereits seine Bankrotterklärung unterschrieben.

Einen schönen Abend noch,
Knut H.

//Edit admin: In diesem Kontext und im Lichte der augenblicklichen Hysterie könnte die Nennung der Spiele im ersten Absatz als Werbung ausgelegt werden, und wir wollen doch nicht, dass der nächste Amokläufer durch PCadept zu seiner Tat inspiriert wird...
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binebär
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BeitragVerfasst am: 29.06.2007, 20:28    Titel: Antworten mit Zitat

Schöner Thread! Auch, wenn ich da nicht ganz so mitreden kann, da ich nicht allzu viele Computerspiele kenne. Im Prinzip kenne ich Monkey Island und Indiana Jones, Wacky Wheels, Simon the Sourcerer (das hab ich nie geschafft) und noch irgendeines mit Kindern und einem Haus, das flog dann mal in die Luft .... Aber ich weiß dafür, was du mit der Imperfektion meinst! Es hat so einen speziellen Charme. Zum Beispiel habe ich bei Monkey Island dieses Computersound (Das elektronische Quietschen) total geil gefunden. Ich hab ja jetzt noch wacky Wheels auf dem PC, und da hat mir mein freund diesen Sound wieder reingemacht, das find ich total witzig. Und die Grafik fand ich auch immer schön, eben besonders das Verpixelte war witzig. Und man hat da noch richtig die künstlerische Arbeit sehen können. Bei heutigen Spielen ist alles so "klar" und "aufgelöst", dass man gar nicht mehr die interessanten Details sieht. Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb mir die späteren Monkey Island Teile nicht mehr so gut gefallen haben: die Grafik war viel "besser" (Ja toll, da sah Guybrush soooo scheiße aus, da war es verpixelt besser) und auch die Sprechteile, die dann eingeblendet und von richtigen Sprechern besprochen wurden, haben den Kern des Spiels und dessen eigenen Charme nicht mehr getroffen. Aber ich denke, es gibt auch aus heutiger Sicht "perfekte" Spiele, die auch so richtig schön sind. Vielleicht sagt dann aber in einigen Jahren jemand über diese das Gleiche wie wir über die anderen, einfach, weil man dann wieder eine andere Wahrnehmung hat oder mit den Spielen irgendetwas aus seiner Kindheit verbindet.

Liebe Grüße, Binebär
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Knut H.



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BeitragVerfasst am: 29.06.2007, 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Binebär,

ich traue meinen Augen kaum - ein Konsens?! Darf, nein, kann es denn so etwas überhaupt geben? Wink

Ich muss gestehen, so unbedingt auch nicht mitreden zu können, da das aktuellste Spiel, mit dem ich mich intensiver auseinandergesetzt habe, Civilization III ist - und das hat bereits einige Jahre auf dem Buckel. Ebenjenes Spiel zöge ich allerdings auch als Beispiel heran, wenn es darum geht, 'aktuelle' Spiele mit Klassikerpotential herauszufiltern. Bezeichnenderweise nutzt es aber - wie schon seine Vorgänger - ein System, das mit seiner Stilisierung meinen Minimalismusansprüchen zu genügen weiß, was aber nicht zuletzt dem Fortsetzungscharakter geschuldet sein dürfte. (Oder gibt es heutzutage noch irgendwelche ersten Teile, die auf einem Rundenmodus basieren?)

Es betrifft das Thema zwar nur am Rande, doch fände ich es dennoch interessant festzustellen, ob es Korrelationen zwischen dem bevorzugten Computerspiel (stilisiert vs. 'realistisch') eines Menschen und seinen übrigen Interessen in Bereichen wie Musik, Film und Literatur gibt. Besonders im Falle der ersten beiden Kategorien wäre ich nicht allzu überrascht, ließen sich gewisse Parallelen herausarbeiten...

Lieber Admin,

bitte entschuldige meinen Fauxpas - nun, da ich es lese, erinnere ich mich auch, dass Du mal etwas von dieser ominösen Nennregelung erzähltest...

Beste Grüße,
Knut
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binebär
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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 11:16    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
ich traue meinen Augen kaum - ein Konsens?! Darf, nein, kann es denn so etwas überhaupt geben? Wink

Mr. Green Es geschehen eben immer noch Zeichen und Wunder! Mr. Green

Zitat:
ein System, das mit seiner Stilisierung meinen Minimalismusansprüchen zu genügen weiß, was aber nicht zuletzt dem Fortsetzungscharakter geschuldet sein dürfte. (Oder gibt es heutzutage noch irgendwelche ersten Teile, die auf einem Rundenmodus basieren?)


Das müßtest du mir nochmal genauer erklären, da ich das Spiel leider nicht kenne und auch nicht weiß, was mit Rundenmodus gemeint ist.

Zitat:
Es betrifft das Thema zwar nur am Rande, doch fände ich es dennoch interessant festzustellen, ob es Korrelationen zwischen dem bevorzugten Computerspiel (stilisiert vs. 'realistisch') eines Menschen und seinen übrigen Interessen in Bereichen wie Musik, Film und Literatur gibt.


Da ja der Mensch es ist, der sich die Spiele, die er mag, selbst heraussucht, dürfte sich die Frage fast erübrigen. Selbstverständlich wird es Zusämmenhänge geben - interessant wird es bestimmt, herauszufinden, in welchen Punkten diese bestehen. Wir könnten ja einen eigenen Thread anlegen, wo jeder was zu seinen Lieblingscomputerspielen und seiner bevorzugten Musik und Literatur etc. schreibt. Was hälst du davon? Beim admin z.B. kann ich es mir schon vorstellen ....
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SohndergroßenBärin



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BeitragVerfasst am: 01.07.2007, 11:57    Titel: Antworten mit Zitat

Au ja!!! Ich liebe Statistiken, da bin ich mit dabei. Ich weiß nicht, ob da wirklich soviel bei rauskommt - meistens kann man es sich ja auch so schon vorstellen - jemand der Shooter mag, hört bestimmt keine Schlager, aber wäre trotzdem toll, mal zu sehen, was da so alles bei rauskommt!

Harka
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Tokei-ihto, Sohn Mattotaupas, der als Knabe "Steinhart", "Nachtauge", "Wolfstöter", "Büffelpfeilversender" und "Bärenjäger" hieß.
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