SohndergroßenBärin

Anmeldedatum: 05.06.2007 Beiträge: 62 Wohnort: in der Verbannung
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Verfasst am: 11.10.2007, 12:22 Titel: Stephen King schreibt als Richard Bachmann : "Qual" |
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Hallo Leute!
Ich habe mir vor Kurzem den "neuen" King Roman gekauft. Im Prinzip ist dieses Buch eine wahre Rarität, ein kleiner Schatz für King Kenner. es handelt sich nämlich um ein 1973 geschriebenes Buch (welches also noch in die Bachmann-Zeit fällt), welches der Meister höchstpersönlich für zu schlecht befunden hat und es irgendwo verstaut hat. Nun hat er es wieder hervorgekramt, umgeschrieben und findet es sogar gut. Und, fast, als wolle er den mangel des alters des buches wettmachen, wurde das ganze noch mit einem höchst amüsanten Nachwort sowie einer kleinen Kurzgeschichte versehen, die laut Ankündigung die Keimzelle für den neuen, 2008 erscheinenden Roman bildet. Anständig oder Schleichwerbung? Das mag jeder für sich entscheiden, ich persönlich finde es klasse.
Nun aber zu "Qual". Leider hat dieses Buch einen großen Mangel: den deutschen Titel. Der Originaltitel lautet "Blaze" und entspricht dem Spitznamen des Protagonisten. Warum man das nicht übernehmen konnte, steht in den Sternen geschrieben. Der deutsche Titel klingt wohl reißerischer, wird aber dem Buch nicht im Geringsten gerecht. Dieses ist, trotz des neutral gehaltenen Erzählstils, nämlich sehr gefühlsbetont und zwingt den Leser, sich mit moralischen Fragen selbst auseinander zu setzen. Es ist ein schlichtes Buch, und obwohl der Autor es selbst als Tränendrücker bezeichnet, enthält es sich jeglichen Kitsches. Mit einfachen Worten bekommt man die Geschichte des Clayton 'Blaze' Blaisdell Junior erzählt, die sich dem Leser in einer kunstvoll verwobenen Mischung zwischen Gegenwart und Vergangenheit präsentiert.
Der kleine Clayton, ein recht intelligentes Kind, wird nach dem Tod seiner Mutter von seinem alkoholkranken Vater misshandelt. Während die Lehrer des Kindes untätig auf eine Katastrophe warten, tritt diese ein, als der Vater eines Tages austickt und das Kind mehrmals die Treppe hinunter wirft. Clay überlebt knapp, behält aber eine lebenslange Deformierung an der Stirn zurück und büßt große Teile seiner intellektuellen Fähigkeiten ein.
Der Staat reagiert, mehr schlecht als recht, indem er dem vater das Kind wegnimmt und den Jungen der Obhut eines staatlichen Waisenhauses übergibt. Dort wird sich das Leben Clays allerdings nicht verbessern. Durch den unfall geistig zurückgeblieben, gelingt es ihm nicht, den Anforderungen der Schule gerecht zu werden, die einzige Pädagigik, die ihm dabei zu Hilfe kommt, ist die Prügelstrafe. Während sich Clayton den Tyranneien des rektors hilflos ausgesetzt sieht, gelingt es ihm aber, unter den anderen Jungen Respekt zu erlangen. In der Pubertät wächst er erstaunlich und wird zu einem großen, kräftigen Burschen. Seine fehlende Intelligenz versucht er aber nicht, durch Körperkraft wett zu machen. er bleibt ein zurückgezogener Junge, der sich allerdings für andere Kinder einsetzt, wenn diese gemobbt oder bedroht werden. So findet er auch seinen ersten richtigen Freund, John. gemeinsam gelingt es ihnen, der harten Realität zu entfliehen. Als John auf Grund einer unerkannten Krankheit stirbt, gibt Blaze dem rektor, der ihn hat weiter arbeiten lassen, die Schuld. Es kommt zu einer Schlägerei und Blaze landet im Jugendgefängnis. Als er diese harte Zeit überstanden hat und wieder auf freiem Fuß ist, versucht er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten, allerdings fehlt ihm die Nähe eines anderen Menschen, ziellos gestaltet sich sein Leben. Kleinkriminelle wissen dies auszunützen: sie nehmen den großen Dummkopf an der Hand und spannen ihn als Handlanger für ihre Machenschaften ein. dabei bleibt es immer bei kleinen Aktionen. Erst als Blaze George kennenlernt, der dessen Potential erkennt, gibt Blaze sein ehrliches Leben zu Gunsten des Zusammenseins mit dem neuen Freund auf. Gemeinsam ziehen sie kleine Betrügereien durch, wobei George als der Kopf des Duos stets von einem großen Deal träumt. bevor dieser zu Stande kommen kann, wird er bei einem illegalen Glücksspiel erstochen. Blaze ist nun wieder allein, aber schon kurz darauf beginnt er, sich die Stimme des Freundes einzubilden. Diese leitet ihn an, gibt ihm Hinweise, erniedrigt ihn aber auch immer wieder so, wie es George auch tatsächlich getan hatte. auf diese Weise bleibt Blaze der untertänige ausführende Arm des Verstorbenen. seine mangelnde Intelligenz läßt nicght zu, dass Blaze sich bewußt wird, dass sowohl die Erniedrigungen als auch die Tipps und Anleitungen aus seinem eigenen Hirn stammen. Jahrelange Unterdrückung hat nicht zugelassen, dass er die Kraft seiner eigenen Fähigkeiten zu schätzen lernen könnte, also projiziert er sie auf den Verstorbenen. Im steten Zwiegespräch mit diesem plant Blaze nun die Ausführung des großen Deals: die Entführung des Babys einer wohlhabenden Familie. Und tatsächlich gelingt es Blaze, alle Vorbereitungen zu treffen und und den kleinen Jungen zu kidnappen. Dabei sind ihm aber, ohne dass er es merkte, zahlreiche Fehler unterlaufen. Während er sich in Sicherheit wiegt, ist ihm die Polizei bereits auf den Fersen. _________________ Tokei-ihto, Sohn Mattotaupas, der als Knabe "Steinhart", "Nachtauge", "Wolfstöter", "Büffelpfeilversender" und "Bärenjäger" hieß.
Zuletzt bearbeitet von SohndergroßenBärin am 11.10.2007, 12:50, insgesamt einmal bearbeitet |
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SohndergroßenBärin

Anmeldedatum: 05.06.2007 Beiträge: 62 Wohnort: in der Verbannung
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Verfasst am: 12.10.2007, 10:47 Titel: |
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Danke! *Rotwerd*
Wenn ich etwas mehr Zeit habe, schiebe ich auch noch eine ausführliche Kritik hinterher. Momentan nur soviel. King-typisch ist es wirklich nicht. aber das ist auch nicht verwunderlich - der Roman entstand (soviel ich weiß) noch vor Carry, und orientiert sich u.a. auch an Klassikern (Steinbeck - den hab ich aber auch noch nicht gelesen). Man kann also davon ausgehen, dass der junge King sich in einer Orientierungsphase befunden hat, wo er sich selbst noch nichts Bestimmtem zugeordnet hat. Das das ganze Buch von dem doch schon recht alten, reifen King Korrektur gelesen wurde, finde ich dabei am spannendsten. Für forscher dürfte das ein ziemlich interessantes Arbeitsfeld werden, könnte ich mir vorstellen. Von daher ist das Buch auch wirklich ein wahrer Schatz. Da verbindet sich der noch idealistisch angehauchte Jüngling mit dem weitsichtigeren, realistischeren (Greis, hätte ich fast gesagt) gesetzten Mann.
Zur Kurzgeschichte: auch recht untypisch. Keine Kurzgeschichte im klassischen Sinne, man merkt ihr an, dass da eigentlich noch mehr kommen soll. Sie ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, und, für King-Kenner fast ein Grund zum nachsichtigem Lächeln, handelt von einem wohlhabendem Mann, der einen schweren Unfall erlitten hat. Er war vor diesem Ereignis ein erfolgreicher Bauunternehmer inklusive Frau und zwei erwachsenen Töchtern, aber der Unfall hat für ihn schwerwiegende Folgen. Er verliert einen Arm und erleidet neben Rippenbrüchen auch eine schwere Kopfverletzung. Diese hat nicht nur sein Sprachvermögen in Mitleidenschaft gezogen, sondern ist auch die Ursache für eine tiefgreifende Persönlichkeitsänderung. Er wird unberechenbar aggressiv, was sich sowohl in Worten als auch in Taten äußert. Seine Frau fasst nach mehreren tätlichen Angriffen den Entschluß, ihn zu verlassen. Für die beiden Töchter ist es ebenso schwer, mit der Situation umzugehen, für den Vater sind sie keine besonders große Stütze. Diesem stehen nun nur noch zwei relativ fragwürdige Menschen zur Seite: seine Reha-Trainerin, die ihren hass gegenüber seiner Frau unverholen zur schau stellt und ihn auffordert, es ihr heimzuzahlen und sein Psychologe, der den Entschluss seines Patienten, Suizid zu begehen, nicht nur billigt, sondern ihm zudem noch den Ratschlag gibt, ein Jahr zu warten, damit die Versicherungsagenten nicht skeptisch werden. die geschichte endet damit, dass der Mann den bei einem Autounfall tödlich verletzten Hund eines Nachbarmädchens tötet, um ihr weiteren Schmerz zu ersparen. _________________ Tokei-ihto, Sohn Mattotaupas, der als Knabe "Steinhart", "Nachtauge", "Wolfstöter", "Büffelpfeilversender" und "Bärenjäger" hieß. |
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